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Sonntag, 12 August, 2007

Wellensittich und Spatzen

Gespeichert unter: Literatur — iesha @ 9:07

Als mein gelber Wellensittich aus dem Fenster flog,
hackte eine Schar von Spatzen auf ihn ein,
denn er sang wohl etwas anders und war nicht so grau wie sie,
und das passt in Spatzenhirne nicht hinein.

Auf dem Weihnachtsmarkt läuft einer,
nach dem sich die Leute umdrehn.
Etwas Grünes hat er sich ins Haar geschmiert.
Er trägt eine Glitzerhose und am linken Ohr Geschmeide,
etwas Wangenrouge, der Hals ist tätowiert.
Träge Menschen werden munter. Stille Bürger sind entrüstet.
Dreckparolen wirft man, wo er geht und steht.
Einer sagt: Das ist der Abschaum! So was müsste man erschießen!
Wenn das mein Sohn wär, ich wüsste, was ich tät.
Jemand sagt: Der ist entlaufen! Jemand sagt: Hau ab! Zieh Leine!
Irgendwo ruft einer halblaut: Schwules Schwein!
Jemand spuckt ihm vor die Füße. Jemand wirft nach ihm ein Brötchen.
Ein Besoffener packt ihn und schlägt auf ihn ein.

Als mein gelber Wellensittich aus dem Fenster flog,
hackte eine Schar von Spatzen auf ihn ein,
denn er sang wohl etwas anders und war nicht so grau wie sie,
und das passt in Spatzenhirne nicht hinein.

Fünf Soldaten auf der Bude. Vier sind sofort dicke Freunde.
Nur der fünfte ist ne Pfeife, das steht fest.
Alle waren schon blau, nur er nicht, hat von Fußball keine Ahnung.
Abends liegt er mit `nem Buch in seinem Nest.
Täglich schreibt die Pfeife Briefe und kriegt Post aus anderen Ländern.
Alle prahlen mit ihren Weibern, nur er schweigt.
Er versaut die ganze Stimmung, wenn sie Witze sich erzählen.
Es wird Zeit, dass man ihm mal die Meinung geigt!
Sonntagnacht, die Pfeife schläft schon. Unsre Vier sind stockbesoffen.
In der Dunkelheit zerren sie ihn aus dem Bett.
Eine Flasche braunen Fusel flößen sie ihm ein und lachen.
Uns sein Buch wird eingeschmiert mit Stiefelfett.

Als mein gelber Wellensittich aus dem Fenster flog,
hackte eine Schar von Spatzen auf ihn ein,
denn er sang wohl etwas anders und war nicht so grau wie sie,
und das passt in Spatzenhirne nicht hinein.

Im Lokal ist Kinderfasching. An der Tür gibt es Getuschel.
Eine Mutter bringt ihr Sternentalerkind.
Das ist geistig schwer behindert, kann nicht sprechen, nur so brummeln,
doch es strahlt, weil hier so viele Kinder sind.
Und die Mutter setzt sich mit ihm an die lange Kaffeetafel,
kleiner Sternentaler klatscht zu der Musik.
Keiner schenkt ihnen Kakao ein, niemand setzt sich in die Nähe,
ab und zu nur trifft sie ein verstohlener Blick.
Als die Kinder tanzen, schwingt sie auch ihr Kind herum im Kreise.
Manche tanzen weiter, andere bleiben stehn.
Jemand sagt: Das ist geschmacklos. Mann, wir sind doch keine Anstalt.
Unsre Kinder sollen so etwas nicht sehn.

Als mein gelber Wellensittich aus dem Fenster flog,
hackte eine Schar von Spatzen auf ihn ein,
denn er sang wohl etwas anders und war nicht so grau wie sie,
und das passt in Spatzenhirne nicht hinein.

[© Gerhard Schöne, 1985]

Samstag, 11 August, 2007

masken

Gespeichert unter: Allgemeines, Altes — iesha @ 4:14

mir hat mal jemand einleuchtend erklärt, wie wichtig masken sind. Sie können nicht nur dazu dienen sich hinter ihnen zu verstecken, sondern sie bieten auch (eigenen und fremden) schutz und sogar hilfe. mit ihnen ist es möglich einen menschen wieder zum lachen zu bringen, auch wenn einem hinter der masken selber zum weinen zumute ist.

ich gebe zu, dass ich sie immer noch nicht mag. masken bedeuten für mich, dass die person dahinter mit mir spielt, weil ich nicht ihr richtiges gesicht wahrnehmen kann. ich mag es überhaupt nicht, wenn erwachsene menschen mit mir und (besonders) mit meinen ehrlichen gefühlen spielen.

und doch merke ich deutlich, dass es situationen gibt, wo mir masken aufgezwungen werden; ich keine andere wahl habe, als sie mir aufzusetzen, wenn ich etwas bestimmtes erreichen möchte. oh, wie hasse ich es! mit dieser masken nicht ich selber sein zu können bzw. zu dürfen. selbst wenn ich am boden liege und vielleicht froh sein müsste, mich hinter einer masken schützen zu können, damit niemand sieht wie verletzt ich in wirklichkeit bin – selbst dann bin ich nicht bereit mich hinter einer masken verstecken zu wollen.

ich sehe ein, dass nicht jeder so stark ist, immer und überall ohne masken auszukommen und ich kann dies mittlerweile auch akzeptieren, wenn ich genau das bemerke. schließlich lehrt mich das leben, dass ich sie – bei allem widerwillen – in manchen situation halt doch tragen muss …

[©iesha, 30.12.2004]

Donnerstag, 9 August, 2007

hallo blog-welt!

Gespeichert unter: Dies und das, Nicht kategorisiert — iesha @ 6:41

nun bekommt die iesha auch endlich ihren blog.

keine ahnung, wie so was funktioniert und deshalb werde ich mich erst einmal in ruhe durch’s backend wühlen, bevor ich hier was an text hinterlasse. drückt mir die däumchen, dass ich das auch kapiere :-)

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